Forschungsförderpreis für Dr. med. Jannik Stemler
23.09.2026Foto: Dr. med. Jannik Stemler (li.), Prof. Dr. med. Oliver Kurzai (re.)
Mit dem Forschungsförderpreis der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft e.V. wurde im Rahmen der 60. MYK vom 17. bis 19. September 2026 Dr. med. Jannik Stemler, Köln, ausgezeichnet.
Mit dem Forschungsförderpreis – dotiert mit Euro 5.000 - würdigt die Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft e.V. Mitglieder für herausragende, international anerkannte Leistungen in klinischer oder experimenteller Grundlagenforschung auf dem Gebiet der medizinischen Mykologie.
Forschungszusammenfassung:
In seiner Präsentation gibt Stemler einen Einblick in die Forschungsschwerpunkte, die seine klinisch-wissenschaftliche Arbeit der vergangenen Jahre geprägt haben.
Im Zentrum steht die Verbesserung der Versorgung von Patienten mit invasiven Pilzerkrankungen – von der Epidemiologie über Prophylaxe und Diagnostik bis hin zu Therapie und patientenzentrierten Versorgungskonzepten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf seltenen Schimmelpilzinfektionen. Stemler war an großen Kohorten zu Infektionen durch seltene Schimmelpilze wie Rasamsonia, Paecilomyces, Purpureocillium und Trichoderma beteiligt und konnte damit zur besseren Beschreibung dieser klinisch herausfordernden Erkrankungen beitragen.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeiten ist die Prävention invasiver Pilzinfektionen bei hämatologisch-onkologischen Patienten. Dabei untersucht Stemler unter anderem die Bedeutung der Computertomographie zur frühen Detektion pulmonaler Mykosen, Arzneimittelinteraktionen zwischen Antimykotika und modernen zielgerichteten Therapien in der Hämatologie sowie das Auftreten von Durchbruchinfektionen trotz antimykotischer Prophylaxe.
Seine Forschung reicht dabei zunehmend über klassische Therapieansätze hinaus. Gemeinsam mit internationalen Partnern arbeitet Stemler an der Entwicklung adaptiver Plattformstudien für invasive Schimmelpilzinfektionen, in denen antifungale Therapie, Immuntherapie, Chirurgie sowie standardisierte Verlaufsbeurteilung und Therapiedauer gemeinsam untersucht werden sollen. Ein besonderes Interesse gilt dabei der Immuntherapie und der Frage, ob eine gezielte Aufhebung von T-Zell-Erschöpfungsmechanismen durch Checkpoint-Inhibition bei ausgewählten Patienten eine zusätzliche therapeutische Option darstellen könnte.
Neben der Forschung zur einzelnen Erkrankung engagiert sich Stemler für den Aufbau von Versorgungsstrukturen. Das Kölner „Mykose-Board“ des dortigen ECMM Exzellenzzentrums für invasive Pilzinfektionen hat seit Anfang 2025 bereits rund 500 Anfragen bearbeitet und unterstützt behandelnde Teams beratend, unter anderem bei Diagnostik, Resistenztestung, Therapeutischem Drug Monitoring und dem Einsatz neuer Antimykotika. Stemler bedankte sich bei dem großen Team, was ihn hierbei unterstützt und veranschaulicht, dass nur die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Schlüssel zum Therapieerfolg ist. Ob das Outcome von Patienten durch die Beratung verbessert werden kann, wird aktuell in einer Beobachtungsstudie untersucht.
Mit einem geplanten strukturierten Versorgungskonzept und einem G-BA-Innovationsfondsprojekt soll schließlich auch die epidemiologische und gesundheitsökonomische Dimension invasiver Pilzerkrankungen berücksichtigt werden. Die aktuelle Versorgungssituation von Mykosen in Deutschland sehr heterogen ist, es existiert vermutlich eine hohe Dunkelziffer invasiver Mykosen und deren Behandlung ist für Behandler finanziell nicht vergütet.
Stemlers Forschung verbindet damit klinische Versorgung, translationale Forschung und Versorgungsforschung – mit dem übergeordneten Ziel, die Behandlung immunsupprimierter Patienten mit invasiven Pilzerkrankungen evidenzbasierter, schneller und stärker patientenzentriert zu gestalten.
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