(Ein Nachruf von Professor Johannes Müller, Emmendingen)
Am 6. Dezember 2007 verstarb Dr. med. Theodor Wegmann, emeritierter Chefarzt am Kantonsspital St. Gallen, im 87. Lebensjahr.
Teddy Wegmann, wie ihn seine Freunde nannten, war ein Mykologe der ersten Stunde. Er gehört zu den Pionieren der Diagnostik und Therapie tieflokalisierter, lebensbedrohlicher Mykosen. Zwei Vorbedingungen bahnten diesen wissenschaftlichen Lebensweg: Wegmann war ein Internist hohen Ranges und Ansehens im deutschsprachigen Raum mit einem breiten ärztlichen Erfahrungsschatz, und er kooperierte eng mit den Basler Mykologen unter Hans Scholer. Beide waren Wegbereiter der Therapie tieflokalisierter Mykosen mit Amphotericin B und 5-Fluorocytosin, seinerzeit die einzig wirksamen Substanzen. Wegmann war der erste Kliniker, der didaktisch transparente, synoptisch analysierende Krankengeschichten von Mykosesituationen zusammenstellte, die in jahrelangen, groß angelegten Weiterbildungen im deutschsprachigen Raum das „mykologische Bewusstsein“ klinisch arbeitender Ärzte entwickelten. Seine Erfahrungen fasste Wegmann in der Monographie „Medizinische Mykologie – ein praktischer Leitfaden“ zusammen, die von 1979 bis 1994 sechs Auflagen erlebte, darunter auch eine englische.
Über viele Jahre hinweg hat Wegmann zusammen mit Manfred Plempel und später mit dem Schreiber dieser Zeilen die Sektion „Antimykotische Chemotherapie“ der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie geleitet und deren Sitzungen mit gewichtigen Inhalten gefüllt. Ebenso präsent war er auf den Tagungen der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft – auf der Tagung in Freiburg i. Br. 1986 wurde ihm und Hans Scholer die Ehrenmitgliedschaft zuerkannt. Eine ausführliche Würdigung seines Lebenslaufes ist im Mykologie Forum 1/2006 publiziert worden.
Teddy Wegmann war nicht nur ein großer Arzt am Krankenbett, er war ein begabter, überzeugender Lehrer, und er war zuverlässig und innovativ in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit. Sein imposanter humanistisch geprägter Bildungshintergrund machte ihn zu einem geistvollen Gesprächspartner. Allen, die das Glück hatten, ihn kennenzulernen, wird er unvergessen bleiben.
Seiner Todesanzeige hat die Familie ein Wort Platos aus der Apologie des Sokrates vorangestellt:
Schaut dem Tod zuversichtlich entgegen
und bedenkt die Wahrheit, dass für einen guten Mann
weder das Leben noch der Tod von Übel sein kann.
Die Zeit ist gekommen, dass wir von hier weggehen:
Ich, um zu sterben, ihr um zu leben.
Aber wer von uns dem besseren Los entgegengeht,
das weiss keiner außer Gott.
Seiner Familie, die ihn geliebt und verehrt hat, gilt unsere Anteilnahme.
Johannes Müller