(Ein Nachruf von Claus Seebacher und Bernhard Hube)
Herr Professor Dr. med. Dr. med. vet. Friedrich Staib ist am 18. Oktober 2011 in Sommerhausen bei Würzburg im Alter von 86 Jahren verstorben. Friedrich Staib wurde am 4. August 1925 in Uhingen/Württemberg geboren. Nach Dienst in der Wehrmacht und Kriegsgefangenschaft erfolgte ein Doppelstudium der Veterinär- und Humanmedizin an den Universitäten München und Würzburg. Die Approbation als Tierarzt erhielt er 1952 und die als Arzt 1959, daneben promovierte er zum Dr. med. und zum Dr. med. vet. Die Weichenstellung hin zur medizinischen Mykologie erfolgte bereits 1951 mit einer Studie über das Vorkommen von Hefen im Darmtrakt Kranker in Zusammenarbeit mit S. Windisch (Zentralbl Bakteriol [Orig] 1955; 164: 493-507). 1953 begann Friedrich Staib mit dem Aufbau eines mykologischen Labors am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg, dessen Leitung er innehatte. 1962 erfolgte die Habilitation im Fach Mikrobiologie. 1968 erhielt Friedrich Staib den Aronson-Preis des Landes Berlin, einer der ältesten und renommiertesten Medizin-Preise in Deutschland. Im gleichen Jahr wurde Friedrich Staib an das Robert Koch-Institut in Berlin berufen. Hier leitete er bis zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand 1990 das Fachgebiet Mykologie.
Die medizinische Mykologie verdankt Friedrich Staib wesentliche Erkenntnisse. So beschrieb er 1965 als erster die Fähigkeit von Candida albicans Protease zu sezernieren (Sabouraudia 1965; 4: 187-193) und stellte ihre Bedeutung für die Pathogenese von Candida albicans-Infektionen heraus. Seiner Arbeitsgruppe gelang als erster die Reinigung des Enzyms. Staib war es, der die Proteaseaktivität von C. albicans als stammspezifisches Merkmal herausstellte und sie zur Aufklärung epidemiologischer Zusammenhänge nutzte. Ein weiterer Schwerpunkt seines imposanten wissenschaftlichen Lebenswerkes war Cryptococcus neoformans. 1962 erschien eine Arbeit von F Staib, in der der Braunfarbeffekt von Cr. neoformans in einem Kulturmedium mit Guizotia abyssinica beschrieben wurde (Z. Hyg. 1962; 148: 466-472). 1966 beschreiben Staib et al. ein Selektivmedium zur Isolierung von Cr. neoformans (Ann Inst Pasteur (Paris) 110: 792-793). Dieses Kulturmedium hat als „Staib-Agar“ Eingang in die Weltliteratur gefunden. Die Cryptococcose sollte auch weiterhin ein Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit bleiben und nicht zuletzt durch die Ausbreitung von AIDS hochaktuell werden. Wurde in früheren Jahren Cr. neoformans als obligat pathogener Erreger eingestuft, zeigten die von Staib und Mitarbeitern sehr subtil recherchierten Arbeiten zu Infektionsquellen und klinischen Verläufen an Cryptococcose erkrankter Aids-Patienten, dass dieser Erreger ein typischer Opportunist ist.
Neue Herausforderungen erwarteten ihn in Berlin mit der Berufung an das Robert Koch-Institut. Er führte das Fachgebiet „Mykologie“ zu nationalem und internationalem Ruf. Die kollegiale Zusammenarbeit mit klinisch tätigen Ärzten zeitigten beachtliche Erfolge. Seine Untersuchungen zur Umwelt-Mykologie haben die Erde als Biotop fakultativ pathogener Fadenpilze, insbesondere Aspergillus fumigatus, herausgestellt. So konnte er überzeugend zeigen, dass Pflanzen in mit Erde versehenen Töpfen eine Infektionsquelle für Schimmelpilzinfektionen bei immunsupprimierten Patienten ist. Von diesen Erkenntnissen haben vor allem die Transplantationsmedizin und die Hämatologie/Onkologie durch die Etablierung eines Überwachungsregimes entsprechender Patienten erheblichen Nutzen. Die Zahl tödlicher invasiver Mykosen konnte durch frühere Diagnose und gezielter Behandlung deutlich reduziert werden, wie zahlreiche Publikationen mit F Staib als Erst- oder Co-Autor belegen.
Friedrich Staib war ein exzellenter Diagnostiker für Pilzinfektionen. Sein konsiliarischer Rat war vor allem bei Klinikern mit chronisch lungenkranken, als auch mit hämatologisch-onkologischen Patienten aber auch bei Pathologen geschätzt. Wegweisend waren auch die von ihm in zahlreichen Publikationen beschriebenen mykologisch-diagnostischen Aspekte bei AIDS-Patienten mit Cryptococcose und zuletzt auch bei Transplantations-Patienten, denen eine nicht unbedeutende Anzahl von Patienten mit systemischen Pilzinfektionen ihr Überleben zu verdanken hat.
Die hier nur unvollständige Aufzählung der fundamentalen Entdeckungen und Leistungen des Mykologen Friedrich Staib, mehr als 240 Publikationen und Buchbeiträge hat er veröffentlicht, hat ihm weltweite Reputation gebracht. Einladungen und Studienaufenthalte führten ihn nach Brasilien, Holland, Belgien, Kanada, England, USA, Frankreich, Indien, Japan, Israel und Russland. 1994 wurde er in Adelaid mit dem ISHAM-Award ausgezeichnet und Ehrenmitglied der International Society for Human and Animal Mycology (ISHAM). 1998 erhielt er die Ehrenmitgliedschaft der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft zuerkannt.
Ein besonderes Anliegen von Friedrich Staib war es, die Verbindungen zu den Kolleginnen und Kollegen in der früheren DDR und den osteuropäischen Ländern nicht abreißen zu lassen. In den 1960iger Jahren war er regelmäßiger Gast bei den Tagungen der Gesellschaft für Medizinische Mykologie der DDR. Durch staatliche Restriktionen der DDR waren solche Kongressbesuche drastisch eingeschränkt worden. Durch seine russischen Sprachkenntnisse hatte er auch Kontakte zu russischen Mykologen (Prof. Kaschkin, Prof. Elinov und andere). Eine besondere Freude war es für die Organisatoren der Jahrestagung der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft 1995 in Dresden, Prof. Staib für einen Vortrag „Pilze im Wohn- und Krankenhausmilieu“ gewinnen zu können. Dieser Vortrag war der letzte, den er vor dem Forum der DMykG gehalten hat.
Der Vorstand und die Mitglieder der DMykG versichern den Angehörigen von Herrn Professor Dr. med. Dr. med. vet. Friedrich Staib ihre aufrichtige Anteilnahme. Sein bedeutsames wissenschaftliches Lebenswerk bleibt als Fundament für das Andenken an eine äußerst bemerkenswerte und liebenswürdige Persönlichkeit.
Claus Seebacher, Dresden; Bernhard Hube, Jena - im Namen der DMykG e.V