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Prof. Dr. med. habil. Heinz Kurt Spitzbart, geb. 30.11.1930, verstorben 02.12.2008

(Ein Nachruf von Werner Mendling)

Heinz Spitzbart wurde am 30. November 1930 in der Universitäts-Frauenklinik Leipzig geboren, die später auch für viele Jahre sein Arbeitsplatz werden sollte. Ein langjähriges Leiden des Vaters soll letztlich den Wunsch geweckt haben, Arzt zu werden.

Nach der auf dem Land in der Umgebung Leipzigs absolvierten Grundschule legte Heinz Spitzbart 1949 in Leipzig das Abitur ab und begann an der Medizinischen Fakultät der Karl – Marx - Universität Leipzig das Medizinstudium. Im Jahr 1955 erfolgte die Approbation und am 01.04.1955 die Promotion mit dem Titel „Über den Faktor P und das Vorkommen des Anti-P-Gehaltes im normalen menschlichen Serum“.

Es folgten die sogenannte Pflichtassistentenzeit an den Kreiskrankenhäusern Annaberg und Olbernhau, ein wichtiges wegweisendes Jahr am Bezirkshygiene-Institut Leipzig unter Prof. Wildführ, einige Monate Assistenzarzt-Tätigkeit an der Universitäts-Frauenklinik in Rostock sowie von August 1957 bis September 1958 an der Frauenklinik der damaligen medizinischen Akademie Erfurt.

Ab September 1958 erfolgte die Ausbildung an der Universitäts-Frauenklinik Leipzig unter Prof. Arresin. Dort wurde Heinz Spitzbart zunächst Oberassistent, 1961 Oberarzt und später 1. Oberarzt.

Am 29.04.1964 habilitierte sich Heinz Spitzbart mit dem Thema „Die sogenannten antibiotischen Substanzen der normalen Scheidenkeime und ihr Einfluss auf die pathologische Scheidenflora“. So wurde er am 01.07.1964 Dozent und am 01.09.1971 Ordentlicher Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität Leipzig. Seit dem 08.04.1971 leitete Heinz Spitzbart nach dem Ableben seines Chefs Prof. Arresin die Universitäts-Frauenklinik Leipzig kommissarisch bis zum 01.04.1974.

Heinz Spitzbart stand im Jahr 1973 als Bewerber für den Lehrstuhl an der Medizinischen Akademie Dresden in der engeren Wahl, hospitierte im Jahr 1974 an der Universitäts-Frauenklinik Halle sowie am Institut für Mikrobiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, um dann am 01.02.1976 als Ordentlicher Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe an die Frauenklinik der Medizinischen Akademie Erfurt unter ihrem damaligen Direktor Prof. Dr. med. F. Wagner berufen zu werden. Dort wurde er 1980 in den wissenschaftlichen Rat berufen und behielt diese ehrenvolle Mitgliedschaft auch nach der Wende nach geheimer Wahl im Jahr 1990.

Im Jahr 1985 wurde Heinz Spitzbart der Titel „Medizinalrat“ verliehen.

Vom 01.04. bis zum 01.09.1993 war Heinz Spitzbart nach dem Ausscheiden seines Chefs Prof. Wagner Geschäftsführender Leiter der Klinik und Poliklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im Rahmen einer C 3 – Professur.

Am 31.03.1996 schied Heinz Spitzbart altersbedingt aus dem jetzt zum Klinikum Erfurt GmbH umbenannten Klinikum aus, behielt dort aber im Rahmen eines Honorarvertrages unter der neuen Leitung der Klinik durch Prof. Dr. med. Udo Hoyme seine gynäkologische Sprechstunde bis ins Jahr 2008 hinein.

Außerdem hat Heinz Spitzbart während der gesamten Zeit seines Ruhestandes an der Ludwig-Maximilian-Universität München im Klinikum Großhardern zusammen mit seinem Freund Prof. E. R. Weissenbacher bei praktisch wöchentlichen Besuchen Doktoranden betreut und an Studien, Leitlinien und Publikationen mitgewirkt.

Heinz Spitzbart ist über Jahrzehnte hinweg d i e Instanz für gynäkologische Infektionen in der damaligen DDR gewesen, wo er etwa 36 Jahre lang Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Mikrobiologie der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe der DDR war und außerdem in zahlreichen anderen Arbeitsgemeinschaften mitwirkte, z. B. in der Arbeitsgemeinschaft Staphylokokken, der Gesellschaft für Seuchenschutz, der Arbeitsgemeinschaft Trichomonaden, der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, der
Parasitologischen Gesellschaft, der Arbeitsgemeinschaft Zell- und Gewebezüchtung und der Medizinisch-Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Medizinischen Akademie Erfurt. 

Dementsprechend groß ist der wissenschaftliche Nachlass von Heinz Spitzbart mit etwa 250 Veröffentlichungen und Buchbeiträgen und etwa 400 wissenschaftlichen Vorträgen. 

Zu seinen Ehren stiftete die Europäische Gynäkologisch-Urologische Gesellschaft für Infektionen im Jahr 1996 den „Prof. Dr. Heinz Spitzbart-Preis“, der von der Firma Cytochemia mit 10.000,-- DM dotiert wurde und seitdem jährlich vergeben wird.

Die Zusammenführung der Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie in der Gynäkologie und Geburtshilfe der Bundesrepublik Deutschland mit der entsprechenden Arbeitsgemeinschaft der DDR war wesentlich von ihm geprägt und führte dazu, dass er zum 2. Vorsitzenden gewählt wurde. Außerdem ist er Ehrenmitglied in der bulgarischen Gesellschaft der Frauenärzte der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtsheilkunde der CSFR sowie seit 1992 in der daraus hervorgegangenen Slowakischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Nach der politischen Wende setzte sich Heinz Spitzbart mit großer Energie für die bisher nur auf dem Schriftweg existierenden freundschaftlich kollegialen und wissenschaftlichen Kontakte mit den Fachkollegen im westlichen In- und Ausland ein und wurde aufgrund seiner bescheidenden Seriosität überall hoch geschätzt. Er trug seine nach der Emeritierung in Erfurt und München durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse auf Kongressen der European und der American Infectious Disease Society überall in der Welt vor.

In Erfurt betätigte er sich berufspolitisch zu den verschiedensten Themen, vertrat mit großem Engagement, aber immer ausgewogen, das Anliegen, dass es nicht zu einer Trennung zwischen niedergelassenen Kassenärzten und Klinikärzten komme und wurde auch deshalb bei klinischen Studien, zu denen es der Mitarbeit von niedergelassenen Frauenärztinnen und Frauenärzten in Erfurt bedurfte, stets unterstützt. Wegen seines Taktgefühls und Verständnisses für die Belange von jungen Kolleginnen und Kollegen war Heinz Spitzbart ein hervorragender Lehrer und Vorbild. Er wurde von seinen Schülern, Assistenz- und Oberärzten sowie den Krankenschwestern seiner Klinik verehrt.

Ich lernte Heinz Spitzbart im Jahre 1989 kennen und schätzen. Sein 1981 herausgegebenes  Buch „Vulvitis/Kolpitis“ zeugte von hervorragender klinischer Beobachtungsgabe, großer Erfahrung und Fleiß. Ich habe die 17-jährige schöne Zusammenarbeit im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe ebenso geschätzt wie die kollegiale Arbeit an verschiedenen Leitlinien.

Über dem Schreibtisch von Heinz Spitzbart stand ein gerahmter Leitspruch: „Charakter haben, ist Klugheit auf lange Sicht“.

Die deutsche gynäkologische Infektiologie verliert mit Prof. Dr. med. Heinz Spitzbart eine wichtige Persönlichkeit. 

Unser anteilnehmendes Mitgefühl gilt seiner lieben Frau Christa und seiner Familie. 

Wir werden Herrn Spitzbart in ehrenvoller Erinnerung behalten.

Werner Mendling


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