(Ein Nachruf von Dr. Dieter Reinel, Hamburg)
Am 10. November verstarb plötzlich und unerwartet Professor Dr. med. K. Siegfried Nolting im Rahmen einer akuten schweren Erkrankung. Wenige Wochen vorher hatte er seinen 72. Geburtstag im Familienkreis gefeiert.
Am 20. 10. 1935 in Osnabrück geboren, begann er 1955 das Medizinstudium. Staatsexamen machte er 1961 in Münster. Seine wissenschaftliche Tätigkeit begann 1962 mit der Dissertation zum Thema „Experimentelle Untersuchungen über die Wirkung neuerer Antimykotika bei der Sporotrichose“. Schon dieses Erstlingswerk befasste sich also mit der Mykologie! 1963 erfolgte die Approbation, danach ging er aus Sicht des Dermatologen einen Umweg. Zwei Jahre lang arbeitete er in der Chirurgie, zunächst in Recklinghausen, dann in der Universitätsklinik Münster. In dieser Zeit wurde ein großer OP-Katalog erfüllt, so nützte die Zeit letztlich doch der späteren Tätigkeit. Ab Oktober 1964 begann er an der Universitätshautklinik in Münster seine Ausbildung, die er 1968 mit dem Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten erfolgreich abschloss. Schon 1971 war er dann habilitiert und zum Oberarzt ernannt. 1974 wurde er apl.-Professor und Leiter der Abteilung für Dermatomikrobiologie. In der Hautklinik Münster blieb Siegfried Nolting dann bis zu seiner Emeritierung im März 2001. Immer ansprechbar, freundlich und zugewandt war er natürlicher Anlaufpunkt für Assistenten und Mitarbeiter, in der Dermatologie nicht mehr „wegdenkbar“.Natürlich nutzten auch andere Institutionen und Gesellschaften seine Erfahrung. So war er acht Jahre im Vorstand der Ärztekammer im Verwaltungsbezirk Münster und Mitglied des Prüfungsausschusses. Von 1975 an war er Konventsmitglied der Universität und von 1975 -1985 Vorsitzender des Ausschuss für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs. Über 130 Dissertationen wurden von ihm begleitet und zum Abschluss gebracht. Seine Tätigkeit im Fachbereichsrat und im Konvent dauerte bis 1993. Er war auch Hauptprüfer für Haut- und Geschlechtskrankheiten und im Vorsitz des Ausschuss für die zahnärztliche Prüfung. Wissenschaftlichen Nachwuchs zu betreuen, das bedeutete für Siegfried Nolting immer auch, selbst eine Vorbildfunktion zu erfüllen. Davon zeugen über 300 wissenschaftliche Veröffentlichungen (vorwiegend auf den Gebieten Mykologie, Bakteriologie, Virologie und Parasitologie), acht Bücher (Mykologie und Bakteriologie), darunter die „Medizinische Mykologie“ ( der „Nolting / Fegeler“) mit vier Auflagen und Übersetzungen ins Englische, Italienische und Spanische und auch (gemeinsam mit H.C.Korting) schon 1989 ein Buch zur topischen Antimykotikatherapie der Onychomykose (ebenfalls in mehrere Sprachen übersetzt), wegweisend für die erst damals wirklich beginnende Ära der Entwicklung wirksamer topischer Behandlungsmittel für die Nagelpilzerkrankung. Weitere Buchbeiträge und auch ein Film sprechen für seinen wissenschaftlichen Eifer und Fleiß. Natürlich war er Mitglied vieler wissenschaftlicher Fachgesellschaften. Deutsche Dermatologische Gesellschaft, Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft , International Society for Human and Animal Mycology (ISHAM), Arbeitsgemeinschaft Mykologische Forschung, American Academy of Dermatology, um nur Einige zu nennen. Er war im Editorial Board der Micologia Dermatologica (Florenz), war jahrelang Schriftleiter des „pilzdialog“ (Nachfolger von H.H.Rieth) und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von „Mykosen“, „Ärztliche Kosmetologie“und „Jatros“. Außerhalb der Dermatologie arbeitete er noch im Vorstand der Akademie für Ärztliche Fortbildung, auch die Medica-Plakette für Ärztliche Fortbildung wurde ihm verliehen.Bei aller Interessensbreite hatte die Beschäftigung mit der Mykologie wohl den Vorrang.. In der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft war er viele Jahre über aktiv tätig, hat viel „Herzblut“ dort hineingesteckt und hat sich um diese Gesellschaft wirklich sehr verdient gemacht. Auf vielen Tagungen war er Vortragender , Sitzungsvorsitzender und Diskussionsleiter. Unvergessen sind die von ihm ausgerichteten Tagungen. Die MYK 1987 in Münster war eine Gemeinschaftstagung der gesamten Familie Nolting, Ehefrau und beide Töchter hatten großen Anteil am Erfolg der Tagung. Gemeinsam mit Wolfgang Fegeler organisierte er 1994 auch noch die Tagung in Montreux. Seit damals vergibt die Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft Posterpreise, wodurch die bei den Jahrestagungen reichlich eingereichten Posterpräsentationen ihren heutigen, hohen Stellenwert erlangten. Von 1990 bis 1993 war er Stellvertretender Vorsitzender, von 1993 bis 1996 Vorsitzender der DMykG. Die Verleihung der Johann-Lucas-Schönlein-Plakette 1997 in Aachen war hoch verdient und hat ihm auch viel bedeutet. Bei der Tagung in Berlin 2000 wählte ihn die Mitgliederversammlung in Anerkennung seiner großen wissenschaftlichen Verdienste für die Medizinische Mykologie und für die Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft auch noch zum Ehrenmitglied.
Wie war aber der Mensch Siegfried Nolting hinter dem Dermatologen und Mykologen? Was werde z.B. ich von ihm in Erinnerung behalten? Er war ein „feiner“ Mann (auch in Erziehung und im zwischenmenschlichen Verhalten), immer freundlich, interessiert und hilfsbereit. Ich lernte ihn vor Jahrzehnten bei einer „Walsroder Tagung“ persönlich kennen. Er, der bekannte und erfahrene Mykologe vermittelte mir, dem Newcomer, zuvorkommend den Eindruck, mein Beitrag sei gut und wichtig, in der Szene der dermatologisch-mykologischen Vortragenden sei ich hoch willkommen. Diese Art der Motivation war für ihn typisch und hat sicher vielen mykologischen Startern Mut und Motivation verschafft. Bei der schon erwähnten MYK 87 gab er mir meinen ersten Sitzungsvorsitz (gemeinsam mit K.Fegeler). Aus dieser frühen Förderung wurde später eine richtige Freundschaft, die zunächst bei gemeinsamen Tagungen und Sitzungen, später auch bei gemeinsamen Reisen gestärkt wurde.
Bei allem Fleiß und der daraus entstehenden Arbeit war für Siegfried immer seine Familie an erster Stelle und zum Ausgleich haben ihn seine Ehefrau Annette und die Töchter Nicola und Christina (heute selbst Dermatologin) auch immer unterstützt. Er war auch stolzer Großvater, der sich gerne und intensiv um seine fünf Enkelkinder kümmerte. Auch bei seinen vielen Reisen, und Siegfrieds großes Hobby war das Reisen, war zumindest Annette und waren später auch Töchter, Schwiegersöhne und Enkel gern mitgenommene Begleiter. Wäre er nicht schon Arzt und Dermatologe gewesen, dann hätte er auch einen begnadeten Reiseführer abgegeben. Reisen mit ihm bedeuteten für mich, dass man kaum eigene Reisevorbereitung brauchte. Er mit seinem Interesse für Geschichte und Geographie kannte immer die Historie und Eigenheiten der bereisten Länder und konnte dieses Wissen unaufdringlich und spannend weitergeben. Bis zum Schluss war er voller Pläne. An die Tagung des RDTC (Regional Dermatologic Training Center) in Moshi, Tansania 2007 hatten Annette, Siegfried und ich eine großartige, mehrtägige Safari angehängt. Gleich nach der Rückkehr war Siegfried am Telefon, um die Planung für die nächste Tagung im Januar 2008 zu beginnen. Schon im Sommer 2007 hatten wir die Flüge dafür gebucht und die Vorfreude auf eine weitere Tansania-Reise genossen. So werden wir ihn in Erinnerung behalten: Immer freundlich, immer begeisterungsfähig und neugierig auf neues Wissen, immer hilfsbereit. Es wird schwer ohne ihn, für die Mykologie und Dermatologie, für seine Familie, für die vielen Freunde. Es bleibt der Trost, dass am Ende kein langes Leiden stand und dass uns seine Ideen und Anregungen und die schönen Erinnerungen weiter begleiten werden.
Dieter Reinel