Historischer Rückblick

Es waren vor allem die Dermatologen und Tropenmediziner, die
sich anfang des 20. Jahrhunderts intensiv mit mykologischen Fragestellungen
auseinandersetzten. Bis heute sind Dermatologen in Bezug auf Pilzinfektionen der Haut und
Hautanhangsgebilde mit einem epidemiologischen Problem ersten Ragnes konfrontiert.
Hingegen war die Rolle der endemischen Mykosen mit dem Ende des Kolonialismus für die
hiesige Medizin eher untergeordnet. Angesichts des zunehmenden Tourismus und
militärischer Auslandseinsätze dürften auch die endemischen Mykosen bei uns wieder
verstärkt auftreten. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird zudem eine deutliche
Zunahme an opportunistischen Pilzinfektionen beobachtet. Nicht nur das Auftreten von HIV,
sondern auch die Fortschritte der Medizin in den Bereichen der Chirurgie, Intensiv-,Tumor-
und Transplantationsmedizin und der teilweise damit verbundene Einsatz von Antibiotika,
Immunsuppressiva und Kortikoiden, führten zu einer Zunahme immunsupprimierter
Patienten. Sie haben ein hohes Risiko an opportunistischen Pilzinfektionen zu erkranken.
Alle medizinischen Disziplinen sind heute mit Problem der Diagnostik und Therapie von
Candida-, Aspergillus, Kryptokokkus- und Pneumocystis-Infektoinen konfrontiert. Eine
Zunahme ist auch bei den Zygomykosen zu verzeichnen. Sie sind zwar immer noch selten,
gelten aber als therapeutisch schwer beherrschbar.

Die Medizinische Mykologie ist inzwischen aus einer eher randständigen Position zu einem
zentralen Fach geworden, das alle mediznischen Disziplinen betrifft und somit das breiteste
interdisziplinäre Spektrum aufweist.

Geschichte der Mykologie in Deutschland